Fantasien

Heute hau ich mal einen komplett egoistischen Beitrag raus. Ich möchte mir was von der Seele schreiben. Ihr könnt den Beitrag ja gerne überspringen, wenn ihr nix von meiner Rage lesen wollt.. 

Ich bin angefressen! Ich hatte nun einige Wochen, in denen ich mit meinem Leben beschäftigt war und wunderbar abgelenkt wurde. Ich war auf meine Arbeit fokussiert – was ich auch sehr genieße, keine Frage – aber der Fokus führte dazu, dass ich meinen eigenen Bedürfnissen kaum Beachtung geschenkt habe. Ich hatte das Thema Vampyrismus zwar nicht ad acta gelegt, immerhin arbeite ich eigentlich immerzu am Blog, die wahre Auseinandersetzung damit blieb jedoch auf der Strecke.

Und nun hat das Tier meine Unachtsamkeit ausgenutzt um seine Leine zu lockern. Ich sehe es regelrecht vor mir, wie es unruhig in seiner Höhle auf- und abtigert und auf eine Schwäche meinerseits wartet.

Sowas wie ein unbedachtes Outing zum Beispiel, einfach weil mich mein Durst mürbe macht.

Ging es euch da auch schon so, dass ihr dachtet „Sch*** drauf, ich frage heute meinen Freund XY, ob ich nicht mal an ihm nuckeln darf.“ ?Und natürlich spricht absolut nichts dagegen sich zu outen, bestenfalls eben bei jemandem, dem man vertraut und dem man wiederum zutraut mit dieser etwas schrägen Bitte umgehen zu können. Wenn wir unsere Freunde nicht fragen könnten, wer könnte uns dann unterstützen und befreien?

Aaaber ich habe ständig die Sorge darum eigentlich nicht bereit zu sein. Ich kann den letzten Schritt noch nicht gehen. Ich bin nicht bereit evtl. auf die Schnauze zu fallen. Vielleicht merke ich ja, dass das alles gar nicht so soll, dass ich kein Blut will oder brauche oder oder. Gut, irgendwann werde ich mich überwinden. Ich meine, ich setze mich viel damit auseinander, niemand verlangt von mir selbst Vampyr zu sein, um zur Gemeinschaft zu gehören. Der Blog funktioniert auch prima so. Ich würde einfach unterstützende Arbeit leisten und wäre trotzdem bei den Menschen zuhause, die mich mit so viel Geduld tragen.

 

Andererseits kann ich mir gerade nicht vorstellen, wen genau ich fragen könnte. Da sind ganz wundervolle Menschen in meinem Leben, aber entweder passt mir deren Geruch nicht oder ich kann es mir schlicht nicht vorstellen – ich möchte ja auch nicht mit jedem Sex haben, nur weil ich gerade ausgehungert bin..

Ich kann aber doch wohl auch nicht warten bis mir der oder die „Richtige“ über den Weg läuft. Da hätten wir es erneut von „Erwartungen“ und Realität. Niemand wird mir den Donor meiner Träume auf einem Silbertablett servieren.

 

Wie man merkt, erschlägt meine Ungeduld gerade meinen Verstand. Sie nagt mit nervenzerreibender Präzision an meiner inneren Fassung bis jeden Abend aufs Neue alle Dämme brechen und meine Fantasien Formen annehmen, die an Splatterfilme erinnern. Die triggern und an mir zerren, die ich versuche im Zaum zu halten, nur um am Ende gereizt festzustellen, dass ich mich mir selbst ausgeliefert sehe und in meinen eigenen Zweifeln bade – wie melodramatisch.

Dann finde ich mich in der Küche wieder begierig ein Glas Eisensubstitut saufend und im Ernst mit dem Gedanken spielend mich selbst zu schneiden, in der Hoffnung auf ein paar Tropfen Blut. Wenigstens halten sich meine „Ich bin komplett durchgeknallt und sollte eine Therapie machen“ – Gedanken im Zaum.

 

Generell sind diese Sorgen leiser geworden. Ich verliere nicht aus den Augen, dass ein solcher Blutdurst – gelinde gesagt – ungewöhnlich ist und dass ich mit diesem Verhalten keiner Norm entspreche, wie eben so viele hier. Damit hab ich noch das kleinste Problem. Was ist schon normal?

Mich selbst verletzen möchte ich aber auch nicht, also lasse ich den Gedanken fallen, mache ein paar körperliche Übungen (wenn ich nicht sowieso am Tag bereits ausgiebig spazieren war, um es erst gar nicht so weit kommen zu lassen) und setze mich ins Bett – und zack! Ein Vampirroman.. wie dämlich kann man sein?! Wie ein Süchtiger..

 

Abends ist es generell am schlimmsten, man kommt zur Ruhe und hat Zeit den Tag Revue passieren zu lassen. Mit der Entspannung kommen aber wiederum mehr oder weniger unbewusste oder unterdrückte Themen hoch und dann war es das mit Entspannung. Versteht mich nicht falsch – ich dreh nicht jeden Abend durch, aber gerade schon. Und jedes Mal weiß ich, die Phase wird früher oder später enden und dann kann ich zurück in meine Ruhe. Immerhin schäme ich mich nicht mehr nur für diese Momente, sondern blicke mit Akzeptanz darauf. Es ist in Ordnung, es gehört wohl irgendwie zu mir jetzt – und ich bin nicht die Einzige, die Probleme hat. Zu wissen, man ist nicht allein, ist schon Gold wert…

Hiermit also ein Dank an die lieben Menschen, die ein offenes Ohr für so einen blutigen Anfänger wie mich haben.. (pun not intended ;P)

Ich schnappe mir jetzt einen Tee und meinen verdammten Vampirroman und grummel vor mich hin, während ich Edward dabei beobachte, wie er versucht Bella nicht zu fressen..

In diesem Sinne, bleibt gesund und frei und glücklich.

 

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