Durst, Hunger, Verlangen – eine EinfĂŒhrung

Das eine, das uns eint.

 

Neben allem, was wir definitorisch möglicherweise nicht teilen, ist der Durst/Hunger eine maßgebliche Komponente.

Dieser Durst, der fĂŒr mich durchaus klar umrissene Konturen hat und der sich sehr deutlich Ă€ußert, war eine meiner beobachteten AuffĂ€lligkeiten, die mich zum Thema Vampyrismus gefĂŒhrt haben. Der Durst Ă€ußert sich hier von Vampyr zu Vampyr unterschiedlich.

Wir unterscheiden Sanguniker und Energievampyre, wobei letztere als „noch-nicht-Erwachte“ eine besondere „Gefahr“ fĂŒr andere darstellen, insofern sie unbewusst und somit unreguliert nach Energie geifern. Mehr zum Energievampyrismus könnt ihr hier lesen.

Sanguiniker sprechen dann von einem Verlangen anch Blut. Der Durst kann sich plötzlich Bahn brechen – vielleicht weil der Vampyr unerwartet geschwĂ€cht wurde (schon ein anstrengender Tag reicht da aus), er kann aber auch an- und abschwellen, also in Zyklen wiederkehren, wieder andere bemerken ihn und halten ihn aus oder beugen unter Zuhilfenahme von Ersatzhandlungen vor – dazu gleich mehr. 

 

Was löst Hunger aus?

Aus der Psychatrie ist der Begriff des „Triggers“ mittlerweile in den Mainstream gelangt – er meint einen Verhaltensauslöser, in unserem Falle also ein Ereignis, das den Hunger „anzuschalten“ vermag. Es kann sich hierbei um Dinge wie einen Schnitt des Arbeitskollegen am Finger sein oder auch eine ansprechende Szene aus einem Film. Die Auslöser sind mannigfaltig.

Jeder Vampyr entscheidet dabei selbst, ob er sich diesen Triggern aussetzt. Er kann dabei versuchen dem Trigger den Stachel zu nehmen, indem er durch „Gewöhnung“ die Schwelle zur Verhaltensauslösung senkt. Genauso gut kann er sich dazu entscheiden sich dem trigger ganz bewusst auszusetzen – denn wenn ich ehrlich bin (und ich rede jetzt nur von mir), dann ist der Hunger und seine stimulierenden Begleitemotionen ein durchaus reizvoller Begleiter.

 

Wie Ă€ußerst sich der Hunger?

Wie ich hier nochmal betonen möchte – wir unterscheiden klar zwischen dem fiktionalen Vampir und dem realen Vampyr. Ersterer ist dafĂŒr bekannt nicht ohne Blut leben zu können, er ist darauf sozusagen als Nahrungsmittel angewiesen. Ohne ihn wird er schwach, stirbt womöglich sogar.

Der reale Vampyr versteht sich als Spielart des Menschen. Er braucht kein Blut zum Leben, er kommt prinzipiell prima ohne dieses aus. Was er aber sehr wohl bei „Entzug“ oder einer Hungerphase kennt, sind Symptome wie MĂŒdigkeit, Abgeschlagenheit, Depression, KonzentrationsschwĂ€chen


Manch einer, der seinen Durst vorrangig ĂŒber Eisenmangel oder andere NĂ€hrwertdefizite definiert, kann sich darĂŒber hinaus als blutarm wahrnehmen, im Sinne einer eigenen Blutarmut. Diese geht dann gerne auch mit höherem Puls bei Anstrengung einher etc.

Von Außen ist dieser Zustand durch vermehrte BlĂ€sse, Unruhe oder eben Niedergeschlagenheit erkennbar – und zuordenbar, wenn man ĂŒber den Status des anderen Bescheid weiß. Hunger, der schon lange zurĂŒckgehalten wird, kann diese eher unangenehmen Nebenwirkungen entfalten.

Hunger, der kurzfristig (vielleicht weil er getriggert wurde) auftritt, kann darĂŒber hinaus aber auch mehr sein: Er kann als Stimulanz fungieren – der Blutdruck steigt, die Sicht wird klarer, eine bewusstere Wahrnehmung des eigenen Körpers und Fokus auf die unmittelbare Umgebung stellen sich ein – der eigene Körper stellt sich auf eine Art Jagd ein. Es kann zu sogenannten Shifts kommen (wie hier beschrieben).

Eine sĂ€kulare Theorie, die in der Vampyrgesellschaft dazu erörtert wird betrachtet den Menschen als JĂ€ger und den Vampyr als eine Form des selbigen, dem dieser Jagdinstinkt nicht abhanden gekommen ist. Menschen gehören zu den JĂ€gern (und Sammlern natĂŒrlich), wir haben alle Gaben, um Tiere zu jagen, zu erlegen und schließlich zu essen, nur sind unsere KĂŒhlschrĂ€nke gut gefĂŒllt und diese Gabe bleibt zumindest in unserer Gesellschaft ungenutzt.

 

Das Verlangen – ist man ausgeliefert?

Gerade in der Erwachensphase berichten viele ĂŒber eine ÜberwĂ€ltigung der eigenen Gedanken- und GefĂŒhlswelt durch den Hunger. Die eigenen Gedanken drehen sich um das Thema Blut, dessen Anziehungskraft und die ersehnte Ruhe, wenn der Durst gestillt wird
 FĂŒr gewöhnlich legt sich das GefĂŒhl der Machtlosigkeit gegenĂŒber dem Verlangen nach Blut mit der Zeit. Entweder weil Wege gefunden werden ihn zu umgehen, vorzubeugen oder auch ihn zu stillen.

Und auch wenn es sich um einen durchaus unangenehmen GefĂ€hrten handeln kann, so zwingt er uns nicht zu gewalttĂ€tigen Handlungen (wie manchmal in BoulevardblĂ€ttern zu lesen oder der Kriminalgeschichte zu entnehmen ist) oder daran zu sterben. Vampyre sollten auch ihrer Reflektiertheit wegen stets den verstandesgemĂ€ĂŸen Überblick ĂŒber ihre Handlungen bewahren. 

Hier gilt es also der eigenen/religiösen/naturgemĂ€ĂŸen/
 Moral nachzugeben – kein Mensch darf einfach ĂŒberrumpelt werden. Niemand darf verletzt werden, der sich nicht freiwillig dazu bereit erklĂ€rt. Ein Donor, der sein EinverstĂ€ndnis zu Körperverletzung und Blutgabe gibt, ist von höchstem Wert fĂŒr den Vampyr.

Hier gelten Ă€hnliche Verhaltenskodii, wie in jeder anderen die Grauzone betretenden Szene (zum Beispiel BDSM). Rechtlich betrachtet handelt es sich hier also je nach Auslegung um Sittenwidrigkeit, Körperverletzung o.Ä. Und auch, wenn ich hier an den Verstand appelliere, so muss ich dann doch auch zugeben, dass ich „meinen“ Hunger (noch) nicht einschĂ€tzen kann. Wenn ich also nicht sicher sein kann meinen Donor nicht zu verletzen, dann sollte ich Triggern ausweichen oder andere Wege finden damit umzugehen.

Ich werde jedenfalls nicht meinem Durst sterben, er macht es einem nur schwerer als es sein mĂŒsste


 

Ersatzhandlungen

  • Rote SĂ€fte trinken
  • Blutiges Steak essen
  • Sport treiben
  • FĂŒr Ablenkung sorgen


Es handelt sich hier natĂŒrlich um keine erschöpfende Liste.

All diese Handlungen können helfen dem Durst entspannter entgegenzutreten. Sie können vorbeugend eingesetzt werden, falls man dazu neigt ihn zu spĂ€t zu erkennen oder als Ersatzhandlung fĂŒr den Fall, dass er bereits eingetreten ist. Nicht jeder hat einen freiwilligen Donor an der Hand und so heißt es „selbst ist der Vampyr“.

 


 

Mein eigener Durst zum Beispiel schleicht sich fĂŒr gewöhnlich ĂŒber einige Tage an und ĂŒberrumpelt mich dann – ich bin noch nicht besonders gut darin ihn rechtzeitig zu erkennen. Abgesehen davon fehlt es mir noch an Einsicht. Ich sehe den Durst, ich bemerke meine Lust auf Blut und kann mich doch nicht dazu ĂŒberwinden ihm tatsĂ€chlich nachzugehen. Erst, wenn ich diesen Teil angenommen habe, werde ich in der Lage sein ihn auch zu stillen – im Einvernehmen mit einem freiwilligen Spender. Bis dahin treibe ich viel Sport, ernĂ€hre mich gesund und gönne mir hier und da ein Glas Eisenbrause. 😀

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