Da es zurzeit schlicht notwendig ist mir viele Gedanken √ľber meinen vampyrischen Werdegang zu machen, gibt es nun die neue Kategorie „Tagebuch einer Erwachenden„.¬†

Mein erster Schritt, meine „Bluttaufe“ (das Wort hab ich nun zum ersten Mal so gelesen und finde es ganz wunderbar), liegt schon einige Jahre zur√ľck. Und es war keine sch√∂ne Taufe, sie war voller Gewalt, Verwirrung und Ablehnung. Also nennen wir das, was ich nun vorhabe lieber Bluttaufe.¬†

Es scheint, dass ich mit meinem Outing vor meinem besten Freund kaum etwas richtiger h√§tte machen k√∂nnen. Er bedeutet mir mehr als meine Familie, er ist Gef√§hrte und Besch√ľtzer. Er ist nicht unfehlbar, nimmt alles offen an. Er bedenkt seine Schritte, gerne auch mal zu intensiv, aber da sind wir uns ja √§hnlich. Wie man sieht bin ich ein wenig verliebt in diesen Mann – nicht im Sinne einer romantischen Liebe, sondern auf eine schlichte Weise.¬†

Nun hab ich mich im November letzten Jahres bei ihm geoutet. Das ist nicht lange her und seither ist viel passiert. Er hat aufgeschlossen reagiert und unterst√ľtzt mich und meine kruden Bed√ľrfnisse.¬†

Wenn man nur lange genug in einer Filterbubble verharrt, so wie es mir zuletzt in der vampyrischen Bubble gelang, dann wird es zu einer Normalit√§t, die ja aber nur f√ľr mich gilt (und nat√ľrlich andere darin). Es ist ein legitimes Mittel, um Geborgenheit zu erleben. Man darf nur den Realit√§tscheck nicht vergessen. Immer mal wieder nachhaken, ob man zu sehr abdriftet. Ob das, was man f√ľhlt und von dem man tr√§umt, seine wirkliche Daseinsberechtigung hat oder ob man sich in eine Fantasiewelt fl√ľchtet in Zeiten von Corona, Fakenews und Qu Anon (oder wie immer die Idioten sich schreiben..).

Tja und da saß ich an meinem Geburtstag, den ich nur im kleinsten Kreis gefeiert hab, mit meinem Besten beisammen und druckste vor mich hin. Es war gar nicht geplant, es war einfach nur der richtige Moment. 

Zu diesem Zeitpunkt war mein gr√∂√üter Wunsch der nach Akzeptanz. Quod erat demonstrandum. Seither konnte ich einiges an Ver√§nderung bei mir feststellen. √Ąngste wurden abgebaut, Selbstakzeptanz ausgebaut und der Durst.. nunja, der ist schlimmer geworden, aber insgesamt war es eine sinnige, erbauliche Erfahrung.

In den Tagen und Wochen danach hatte er die Chance sich auf eigene Faust mit dem Thema zu beschäftigen. Ich gab ihm die Anlaufstellen und Keywords, anhand derer er sich eine eigene Meinung bilden konnte. Der Prozess dauert an, ebenso wie meiner.

Doch von dort aus war es nicht mehr weit zur entscheidenden Frage – „Willst du von mir trinken?“¬†

Einem Vampyr w√§hrend einer Autofahrt ein solches Angebot zu machen ist btw gef√§hrlich. :¬īD¬†

Aber ich sp√ľrte, wie mir das Herz aufging – nur um mich gleich darauf in einem ziemlichen Gef√ľhlschaos wiederzufinden. Tausend Fragen schossen mir durch den Kopf, an ihn, an mich, aber ich blieb still. Erstmal nachdenken, in Ruhe.¬†

Das ist drei Wochen her und ich¬†bin durch. :¬īD

Die erste Woche verging ohne einen Mucks meinerseits. Was war es denn, was mich abhielt einfach „Ja, gerne!“ zu sagen? Warum fiel es mir nach all der Zeit pl√∂tzlich so schwer konkret zu werden?¬†

Die Vielzahl an Gr√ľnden, die mich davon abhielt es endlich wahr werden zu lassen, kann ich hier nur anrei√üen. Ich greife in den Gedankenstrom und ziehe willk√ľrlich eine Emotion hervor:

Willst du das wirklich? Bist du dir sicher, dass es das ist? Was, wenn nicht? Dann zur√ľck auf Start?

Was macht es mit dir, wenn du zum ersten Mal trinkst? Wird es besser? Oder schlimmer?

Warum denke ich nur noch an Blut? Ich m√ľsste andere Dinge angehen, aber da ist Tag ein, Tag aus dieses Bild oder das andere… und immer sehe ich Blut. In Mengen, in Massen, leuchtend rot.

Und so geht es weiter. Es klingt fast albern dramatisch und ich versuche wirklich mich nicht albern zu f√ľhlen – denn sind wir ehrlich. Im Verh√§ltnis zu dem, was ich in meinem Lebens so erfahren habe, ist das mit das „lustigste“ Problem, das ich je hatte. Aber wenn man hier einhakt, so kommt man zum Schluss, dass Verh√§ltnisannahmen, in denen ich √Ąpfel mit Birnen vergleiche, nur zur Ablehnung dieses Teils von mir f√ľhrt. Ich spiele dann runter, was mich umtreibt. Und was mich umtreibt, verh√§lt sich immerhin omnipr√§sent und nagend.¬†

Da war es nun also das Angebot und da war ich, die gelauscht hat und keine rechte Antwort geben konnte. Das Angebot, das seither in mir schwelt und nun umgesetzt werden soll.

Ich habe es angenommen. Die Vorbereitungen laufen…