Der Plan steht.

Wir reden viel darüber, wie es werden kann, was passieren könnte. Wir bedenken Motivation und mögliche Folgen. 

Der Einwand einer geistigen Gefährtin, es könne zu einem Blutband kommen hatte hierbei seinen ganz eigenen Impact. Unser Band ist schon stark. Wir sind tief verbunden durch Erfahrung und Freundschaft. Der ganze Mist, der letztes Jahr so passiert ist, hat uns beide gezeichnet, ganz zu Schweigen von den letzten Jahren und deren Ereignisse.

Gleichzeitig trägt es uns in unserer Entscheidung. Ein Blutband vertieft nur, was schon da ist.

Es wird intim sein, womöglich eine Grenze verwischen, auf deren Einhaltung wir wert legen. Mit der Vorbereitung, die wir treffen, werden wir es jedoch sicher schaffen uns nackt zu zeigen, den andern zu sehen und danach wieder zurückzukehren – wie auch schon zuvor.

Das Erste, das nun zu tun ist, ist der Arztbesuch, eine gründliche Testung, um unschöne Folgen zu vermeiden. Wäre da nicht Corona, wären wir danach fein raus. Doch es ist Corona. Ein weiterer Fels, der mich und viele andere zwingt einen Umweg zu gehen oder innezuhalten.

Sollten wir zuvor Quarantäne halten? Sollten wir einfach warten?

Der Drang duldet keinen Aufschub mehr, aber die Vernunft weht mir einen eisigen Wind ins Gesicht. Wie sieht die Alternative aus? Verdrängen, was nicht sein darf?

Ich war meiner eigenen Natur nie näher und als würde sie selbst schon einen Riss in den Mauern erkennen, rennt sie dagegen an.

 

Die einzige Grenze, der ich jedoch nicht gestatte zu weichen ist der gesundheitliche Aspekt. Die Bluttests bzgl. HIV etc. verfallen nicht solange niemand von uns Kontakt zu außerplanmäßigen oder risikobehafteten Menschen  hat. Aber Corona weicht meinem Vorhaben nicht.

Es sperrt uns alle ein.

Eingesperrt sein, kontrolliert zu sein, funktioniert so lange gut, wie die Wahl dazu eine freiwillige ist. Also sage ich mir, dass es gut so ist, dass es vernünftig ist. Ich denke an Menschen, die ich liebe und die ich nicht infizieren wollen würde.

Und mein Tier schreit.

 

Ha! Vor meinem ersten sexuellen Kontakt hab ich mir nicht halb so viele Gedanken gemacht. Aber das Blut zu kosten, das mir den Schlaf raubt, das mich unkonzentriert und irritiert zurücklässt, dessen Verheißungen mir an den Nervenenden nagt.. das erscheint mir so viel bedeutsamer.

Ein Abend mit Gespräch, mit Wein und Vertrauen. Eine Umarmung, ein Schnitt, eine Zäsur.

Mein Herz schlägt höher und verdrängt Furcht und Sorge.

Gefährlich.

Wir werden einen Schritt nach dem andern gehen. Testen, darüber reden, einen Plan schmieden und ich versuche derweil nicht durchzudrehen.