Energievampyrismus im Alltag 

Sei es die Chefin, der es an psychischer Stärke fehlt, die vielleicht einen anstrengenden Tag hatte und schwere Entscheidungen treffen musste oder der Krankenpfleger, der auf der Arbeit gegängelt wurde. Der Schüler, der in der Schule gemobbt, oder die Studentin, die auf der Uni übersehen wurde.

All diese zwischenmenschlichen Unachtsamkeiten – oder im schlimmeren Fall Angriffe – schwächen jeden. Niemand fühlt sich gut nach einer Beleidigung. Die Chefin wird vielleicht zur Täterin, sobald sie nach Hause kommt und den Ehemann für unerledigte Hausarbeit schimpft. Sie nimmt sich Energie von ihm, die ihr selbst fehlt, indem sie ihren Frust an ihm auslässt, sich eine mächtigere Position erzwingt.. Diese Art des Umgangs mit eigenen Defiziten führt immer nur zu mehr Leid. Das selbe gilt für den Schüler, der zunächst Opfer ist und entweder auf einem niedrigen Energielvel verbleibt oder ebenfalls eine Täterschaft eingeht.

Ein »Energievampyr« ist sich dieses Energieverlustes in besonderem Maße bewusst (ebenso sicherlich wie Meditierende oder andere Achtsamkeit Praktizierende) und sein Weg zur Auflösung dieses Zustandes sieht vor seine Batterien in einem selbstreflektierten Setting durch Energieaufnahme wieder aufzuladen, unter Berücksichtigung der Beteiligten. Es handelt sich um einen anderen Blickwinkel auf die selbe Sache.

     Hierfür sucht er möglicherweise einen Freund auf, der nur so sprüht vor Tatendrang oder Glück und der ihn wieder aufbaut. Nicht immer ist ein solcher Energieaustausch also bewusster Natur – pantha rei. Wir müssen uns nicht dazu entschließen uns besser fühlen zu wollen. Das passiert einfach. Der Freund muss nicht gezielt „angezapft“ werden, er versprüht sein Zuviel an Kraft sowieso.

Andere suchen Orte auf, an denen größere Menschenmengen zusammenkommen, vielleicht ein Konzert oder eine stark besuchte Fußgängerzone. Dort kann man sich unbeachtet durch die Mengen bewegen und hier und da ein wenig einfangen. Man nimmt nichts, das nicht sowieso im Überfluss vorhanden ist. 

Niemand würde jemanden einen Schmarotzer nennen, wenn er sich mit Freunden trifft und die Energie, die dabei fließt, in sich aufnimmt – eine romantische Stimmung, eine lustige Begebenheit, ausgelassenes Feiern. All das erfüllt einen mit frischem Geist. Das ist keine vampyrtypische Verhaltensweise. „Vampyrtypisch“ daran ist das geschärfte Bewusstsein für diese Flüsse.

Wieder andere suchen explizit nach einem intimen Moment, der ihnen das Benötigte bietet. Sie müssen oder wollen sich hierfür fokussieren – möglicherweise leiden sie unter einem als besonders unangenehm wahrgenommenen Energieloch. Sie suchen womöglich einen Spender auf, eine Person, der sie sehr nahe stehen. Diese Beziehungen sind für gewöhnlich sehr intim und nicht zwingend sexueller Natur. Ein Spender bietet sein Zuviel an Energie, das ihn sonst unruhig und unfokussiert macht, an und profitiert selbst davon.

 

Energievampyrismus und andere Vampyrformen

Der Energievampyrismus, also ein Erspüren, lenken und aufnehmen von Energien, ist keine isolierte Form des Vampyrismus. Viel eher spielt er – je nach Lebensphilosophie – in jeder erdenklichen Form von Vampyrismus eine Rolle.

So sprechen auch jene, die sich durch sexuelle Handlungen (Mehr zum Thema Sexueller Vampyrismus kannst du hier nachlesen – Beitrag kommt noch) oder auch durch den Konsum von Blut „aufladen“ durchaus von Energieaustausch (Mehr zum Thema Sanguiner Vampyrismus kannst du hier nachlesen) . Gewiss sehen das nicht alle so. Vampyrismus ist heterogen und kann, muss aber nicht in derlei spiritueller Weise gelebt oder definiert sein.

Womöglich nutzen sanguine oder andere Vampyre das Wort „Energie“ in einem anderen, weit weltlicheren Kontext. 

Wenn du daran denkst, wie dich ein Spaziergang im Wald oder ein ausgelassener Abend mit Freunden „auflädt“, dann wirst du dich vielleicht schon selbst dabei ertappt haben, wie du diesen Zustand als „energiegeladen“ oder „euphorisierend“ umschrieben hast. Es soll schlicht ausdrücken, dass du dich gut fühlst, dich gepusht oder eben euphorisiert fühlst. Das hat wenig mit einer außersinnlichen Erfahrung zu tun. Sprache ist oft genug nicht in der Lage uns mit Begriffen für Erfahrungen, Emotionen etc. zu versorgen. 

So bedeutet zB Shinrin-yoku (japanisch): Die absolute Entspannung, hervorgerufen durch ein ausgiebiges Bad im Wald.

Und kennst du das Gefühl nach einem heftigen Alptraum langsam wieder in die Realität zurückzukommen? Dafür gibt es im Indonesischen ein Wort: Kekau

Für diese Sammlung an Begriffen für kaum zu beschreibende Empfindungen gab es einmal eine Website, die es leider nicht mehr zu geben scheint. Meine Bsp. hab ich von hier.

Wenn du nun denkst, dass das alles nciht zwangsläufig mit Vampyrismus zu tun hat, hast du natürlich absolut Recht! Vampyrismus bedeutet noch immer an einem wie auch immer geartetenHunger zu „leiden“. Dir fehlt etwas.

Dass einige schließlich zum Vampyrismus und eben im speziellen zum Energievampyrismus finden, hat wieder ganz eigene Gründe.

 

Letztendlich soll es ein Geben und Nehmen sein. Niemand wird einfach bestohlen (es sei denn es handelt sich um die oben genannten Beispiele – die würden sich aber sicher nicht selbst Energievampyr nennen…). Und niemand wird gezwungen – zumindest in einer achtsamen Welt.

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