Mein Erwachen dauert nun schon ein Weilchen an und ich beobachte neue Facetten in meinem Gefühlsleben – abgesehen von den »üblichen« Verhaltensänderungen, die mit einem solchen Erwachen einhergehen. 

Zuletzt fiel mir auf, dass ich Aggression als angenehmer empfinde als zuvor – und ich bin wirklich nicht gut mit Aggression, weder bei mir noch bei anderen. Es war nie angenehm, jetzt bemerke ich einen kleinen flatternden Nervenkitzel. Ich hatte mir vorgenommen dieses Gefühl, das ja nun mal zum Leben gehört, besser in mein Seelenleben zu integrieren. Dabei erwartete ich allerdings eher eine »buddhamäßige Akzeptanz« als »Lust«.

Vom Verstehen und Akzeptieren

Ich weiß von all den unterschiedlichen, im Prinzip von Vampyr zu Vampyr, unterschiedlichen Verhaltens- und Gefühlsprismen innerhalb der Community.

Als sonst sehr gefasste Person mit stabilem Gefühlsleben beobachte ich meinen neuen Umgang mit diesem Gefühl mit Neugier und ein wenig Vorsicht. 

In einer Gesellschaft, die Aggression grundsätzlich als Verhaltensweise ablehnt, sie zeitgleich aber in Kulturgütern auf die Spitze treibt (ich spreche von Horrofilmen oder eben auch den ganz normalen heutigen Serien, die kein Blatt mehr vor den Mund nehmen, um Zuschauer zu schockieren), kann man da schon mal Schwierigkeiten haben ein Gleichgewicht zu finden. 

Aggression macht vielen anderen auch Lust, sie ist eine treibende Kraft – richtig genutzt. Aber dieser positiver Aspekt wird gemeinsam mit den negativen verteufelt. Man bleibt in seiner Persönlichkeitsentwicklung zurück, wenn man nicht aktiv nach einem besseren Weg zum Umgang mit »verteufelten Gefühlen« findet. 

            In diesem Zusammenhang ist eine Betrachtung der sogenannten »Angstlust« sicherlich auch spannend. Ein außerordentlich sinnbildlicher Begriff für ein Gefühl, das so viele Menschen suchen. Sei es, indem sie die krassesten Achterbahnen fahren oder eben die schlimmsten Horrorfilme schauen. Hier bewegen wir uns allerdings auch an einem Ende einer Skala, die in schwächeren Ausprägungen auch schon leichtere Gewaltdarstellungen oder auch ungünstige Verhaltensweisen, wie die »Schaulust« umfassen. 

Aber ich bin kein Psychologe. Meine Betrachtungen beziehen v.a. meine eigene Erfahrungen mit ein, aber da kann ich mit Fug und Recht behaupten »Angstlust« als angenehmen Nervenkitzel für mich nutzbar machen zu wollen.

            Ein Hunger nach Erlebnis und Reiz (in einer so sicheren Zeit wie der heutigen) findet ihren Ursprung eben sicher in dem nicht gewollten, geschweige denn ausgelebten Drang nach Aggression oder dem Erleben davon. Es war wichtig im rechten Moment aggressiv um sein Überleben zu kämpfen. Und heute? Wohin damit, wo das nicht nötig ist, um seine Ziele zu erreichen? 

            In Momenten, in denen mich etwas triggert und ich Aggression verspüre, versuche ich also einen neuen Weg – statt wegsehen – hinsehen, – statt beschämt – selbstbewusst sein.

Mein Weg zur Lösung umfasst auch das Hypen durch krasse Serien, laute Musik, Achterbahn fahren und in mich hineinfühlen, den Genuss durch Empathie, und schließlich den Abbau durch Sport und in Gesprächen mit anderen. 

Aggression hat so viele spannende Seiten, die es für mich noch zu entdecken gilt. 

Und womöglich liegt der Reiz in der Unberechenbarkeit des Gefühls. Wär ja zu einfach, wenn sie sich leicht kontrollieren ließe. Wie arm wäre ein Leben ohne die Herausforderung an sich selbst? Der Vampyrismus zwingt mich zu neuen Betrachtungen und in der Folge zur Persönlichkeitsentwicklung. Wenn mich ein Hunger erfasst und meine Aufmerksamkeit bündelt, dann möchte ich zwar fokussiert, aber niemals aggressiv sein. Ich möchte dem Tier sozusagen einen Meter Lauf lassen, aber die Leine in der Hand halten. Ich will es nicht erwürgen, zertreten oder im Dunkeln verstecken. Es soll mich ergänzen und stärken. 

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