Neulich stolperte ich erstmals über den Begriff der Phantomgliedmaßen (*winkt A. zu* ^^) im Zusammenhang mit ursprünglich nicht zum Körper gehörigen Körperteilen – also nicht nur jenen, die man evtl. durch Amputation verloren hat, sondern gänzlich körperfremde Glieder, wie Flügel oder Krallen.

Körperteile also, die zuvor nicht zum Körper gehörten, aber vermeintlich wahrgenommen werden. 

Neben dem Vampyrismus gibt es noch einige andere soziokulturelle Strömungen, die sich damit beschäftigen, die ich hier aber nicht näher erörtern möchte, da ich nicht weiß, wie offen diese Communities mit ihren Angelegenheiten umgehen möchten oder können. Das Phänomen erstreckt sich sicherlich auch über diese kleineren sozialen Gruppen hinweg in die Gesellschaft hinein – nur wer würde schon öffentlich zugeben, dass er Flügelansätze am Rücken spürt?

Falls es dich also rein zufällig hierher verschlägt – sei dir sicher, du bist nicht allein und nun hast du ein paar Breadcrumbs. 😉

Darüber hinaus gibt es aber auch einen eigenen Forschungszweig, der sich mit dem Phänomen der Propriozeption beschäftigt. Was das ist, hab ich euch hier kurz zusammengefasst. Die Quellen findet ihr wie immer im Text verlinkt. 

 

Als erstes: Ich bin natürlich kein/e Arzt/Ärztin – wer sich mit Missempfindungen quält (also Leidensdruck hat), möchte gerne einen Arzt aufsuchen. Lesen dürfen aber natürlich alle. 

Das Phänomen „Phantom Limbs“

„Phantom Limbs“, also der englische Begriff, ist in seiner Bedeutung als diametral von der im deutschen geläufigeren Bezeichnung für den „Phantomschmerz“ als Effekt einer für gewöhnlich durch Amputation oder Missbildung entstandenen Nervenschädigung zu betrachten. Mit „Phantom limbs“ spricht man im Englischen jedoch direkt von dem amputierten Körperteil, das eine Empfindung (kann auch Jucken etc. sein) verursacht. Das Englische geht also vom „Körperteil“ aus, das eine Empfindung auslöst, das Deutsche spricht eher von dem Effekt. Die deutsche Bezeichnung greift so gesehen etwas zu kurz, denn es muss sich nicht zwangsläufig um Schmerz handeln. Es gibt Patienten, die von Kitzeln, Jucken oder auch Krämpfen berichten, die sie in dem nicht mehr vorhandenen/geschädigten Körperteil spüren. „Phantom- oder Missempfindung“ trifft es besser, wenn es darum geht das Phänomen auf nie da gewesene Glieder anzuwenden.

Rein naturwissenschaftlich betrachtet handelt es sich um ein gut untersuchtes (wenn auch sicher noch nicht vollständig verstandenes) Phänomen. Eine Erklärung hierfür scheinen die im Gehirn noch (oder im Falle einer Missbildung „falsch“) repräsentierten Körperteile zu sein. Das Gehirn, genauer gesagt der somatosensorische Cortex ist für das eigene Körperempfinden verantwortlich. Alle vom Körper empfangenen (aber auch verursachten) Empfindungen laufen hier zu einem Gesamtbild zusammen. Wenn es hier zu einer Störung kommt, kann das übrigens auch in der sogenannten „Körperdysmorphen Wahrnehumngsstörung“ münden. Hierbei handelt es sich also um Missempfindungen, die der Person das Gefühl geben „nicht richtig auszusehen“ im Sinne von: Ein Körperteil wiegt mehr als es „sollte“ oder aber auch „der Bauch sieht zu dick aus“. Wer solche Dinge bei sich wahrnimmt sollte dann bestenfalls wirklich Hilfe erbeten. Telefonseelsorge (auch für Angehörige) 

Zurück zu den Phantom Limbs. Wessen Gehirn also z.B. durch eine nervliche Fehlinterpretation zu Missempfindungen neigt, kann mit spannenden Methoden behandelt werden. Außerdem gibt es Illusion, die dem Gehirn die Zugehörigkeit eines Körperteils „vorgaukeln“.

Die unheimliche dritte Hand

Da der freie Journalist Ulrich Pontes das viel schöner zusammenfasst, bin ich so frei euch dessen Worte hier zu Lesen zu geben:

„Aber auch Gesunde können erfahren, dass ihr Körperbild keineswegs unwandelbar feststeht, sondern schnell und mit relativ einfachen Mitteln manipuliert werden kann. Fast schon ein Klassiker ist die “Gummihand-​Illusion”. Bei diesem Experiment sitzt ein Proband an einem Tisch und einer seiner Arme ruht hinter einem Sichtschutz. Direkt daneben wird eine Gummihand gelegt, die für den Teilnehmer sichtbar ist. Der “fehlende” Arm der Gummihand wird mit einem Tuch abgedeckt. Nun streichelt der Versuchsleiter mit einem Pinsel gleichzeitig die echte und die Gummihand – und der Proband stellt erstaunt fest, dass er die Gummihand als Teil seines Körpers wahrnimmt.

Die Erklärung für dieses irritierende Phänomen ist erstaunlich simpel: Offenbar versucht das Gehirn die verfügbaren Sinnesinformationen zu einem stimmigen Bild zusammenzufügen. Unpassendes wird dabei passend gemacht. Im Fall der Gummihand-​Illusion dominiert die visuelle räumliche Information über das Tastempfinden: Man fühlt, was man sieht. Das Gehirn verknüpft beides kausal und generiert so die illusionäre Vorstellung, die Gummihand sei die eigene. Die abweichende propriozeptive Rückmeldung, wo sich der Arm tatsächlich befindet, wird vom Probanden vernachlässigt – ebenso wie das nüchterne Wissen, dass man eine Gummihand vor sich hat.“

Quelle: Wenn die Grenzen des Körpers verschwinden

Faszinierend, sag ich da nur. So betrachtet, sind potenziell fremde Körperteile, die als die eigenen wahrgenommen werden, also keine allzu weit hergenommene Vorstellung. Laut des Artikels gibt es wohl genug Menschen, die (auch mal nur vereinzelt und ohne besondere Vorerkrankungen) zu Missempfindungen tendieren oder diese schon einmal erlebt haben. 

Phantomgliedmaße – ein „wissenschaftlicher“ Ansatz

Nach dieser Einführung können wir den Gedanken an Phantomkörperteile, die über unsere eigentlichen natürlichen Anlagen hinausgehen, auf einer eher wissenschaftlichen Basis, verfolgen. 

Menschen, die ein solches bei sich wahrnehmen, könnten vielleicht unter einer „Störung“ der Eigenwahrnehmung leiden. Das Gehirn würde also Krallen, Flügel und co. als zum Körper zugehörig betrachten. Und tatsächlich gibt es Experimente, in denen genau diese Form der Eigenwahrnehmung provoziert werden.

Genauso gut aber könnte es sich um eine sehr viel schwächere Form der Eigenwahrnehmung durch Selbstmanipulation handeln – im Sinne einer starken Vorstellungskraft. Fantasiereiche Menschen sind sicher in der Lage sich in ihren eigenen Vorstellungen zu verlieren.

Daraus ergeben sich hochspannende Anwendungen für die Zukunft. Eines Tages werden wir vielleicht VR-Computerspiele zocken, in denen wir Körperteile als zur Spielfigur und somit als zum Körper zugehörig wahrnehmen könnten. Fraglich, ob man das in einer Schlachtensimualtion möchte..

Phantomgliedmaße-  „energetischer“ Ansatz

Da ich gerne das Ganze betrachten und somit über den Tellerrand hinausschauen möchte, befasse ich mich nun gerne auch mit den möglichen anderen Ursachen für derlei Wahrnehmungen.

In der vampyrischen Subkultur gibt es neben den sanguinen auch die energetisch arbeitenden Vampyre. Ob diese nun häufiger zu solchem Empfindungen neigen, kann ich nicht sagen. Ihre Vorstellung von Auren, Energien etc. begünstigen „außenkörperliche“ u.ä. Erfahrungen aber vermutlich.

Was versteht man hier nun unter energetischem Arbeiten? Tja, da müsste man wohl mal eine Fragerunde starten. Vermutlich hat da jeder seine eigene Arbeitsweise.

Es wird schätzungsweise viel mit den auch in den Massen bekannten Werkzeugen wie Meditation, Autosuggestion und Vorstellungskraft gearbeitet.

Wer sich vorstellt über eine eigene Aura zu verfügen, sich diese in Farben und Formen (!) ausmalt, ist rein gedanklich schon nicht mehr weit weg von einer Vorstellung, wie Flügeln. Wer sehr tief in Trance geht, kann dann sicher eine Empfindung provozieren. Inwiefern diese dann letztlich zurück auf die reale Welt-  im Sinne einer messbaren Antwort des Gehirns – zurückprojiziert wird, müsste man einmal evaluieren. 

Aber wie man sieht, bewegt man sich hier zwischen „energetischer“ Arbeit und rein kreativer Vorstellungskraft. Wer mit derlei Konzepten nichts anzufangen weiß, möchte daher vielleicht lieber auf die oben dargestellten Erklärungsansätze zurückgreifen.

Letztlich kann man messen oder nicht, man kann es Energie oder Wahrnehmung nennen – es ist und bleibt ein spannender Gedanke die Grenzen des eigenen Körpers aufzuweichen. Sei es ein einfaches Gedankenspiel oder gelebte Realität. Solange ihr keinen Leidensdruck verspürt, ist alles prima mit euch – und mit mir 😉

 

 

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