Psychisches Erwachen 

Von Legio Sanguinis

 

Erwachsenwerden ist unvermeidlich. Das Ende der Kindheit ist gepr√§gt von der Erkenntnis, dass die Phantasien und Geschichten, die uns als Kinder erz√§hlt wurden, uns nur bedingt auf die reale Welt vorbereiten k√∂nnen. Wir lernen Helden, Schurken und Monster kennen. Im Kern dieser Geschichten stehen Archetypen; idealisierte Verk√∂rperungen der gesamten menschlichen Erfahrung. Die Art und Weise, wie diese Archetypen f√ľr uns Gestalt annehmen, h√§ngt von unserer Erziehung ab; ob wir uns daf√ľr entscheiden, an eine Gesamtordnung im Kosmos zu glauben oder nicht, liegt bei uns. Sind wir der Held oder der Schurke in unserer eigenen Geschichte? Oder fallen wir irgendwo dazwischen?

Einige von uns erleben eine Art zweites Aufwachsen. Abgesehen davon, dass wir uns mit der H√§rte der Welt und ihrer scheinbaren Ungeordnetheit zuweilen arrangieren, sind wir in der Lage, unsichtbare Verstrickungen zu sp√ľren, die alle Dinge verbinden. Diese Verbindungen k√∂nnen Emotionen wie Leid, Schmerz, Freude und sogar Vergn√ľgen sein. Auf merkw√ľrdige Weise k√∂nnen wir diesen wie ein Leuchtfeuer folgen; zu ihnen hingezogen wie Motten zu einer Flamme oder Haie zu Blut.¬†

Das ist nichts, das einen gelehrt wird und auch nicht genau erlernt werden kann, aber auf jeden Fall eine Fertigkeit, die geschliffen und perfektioniert wird. So wie ein Fisch instinktiv wei√ü, wie er unter Wasser zu atmen hat, so m√ľssen wir der unumst√∂√ülichen Realit√§t unserer Natur ins Auge sehen und ihr mit Vorsicht folgen.
Der Versuch, gegen sie anzugehen, ist ebenso sinnlos wie der Kampf gegen den Lauf des Windes, der uns sonst auseinanderreißen droht. Wenn wir dieser Realität zuwider handeln, verleugnen wir uns selbst und können in Zustände eintreten, die an sich zerstörerisch sind. Unsere einzige Möglichkeit besteht darin, den Dingen ihren Lauf zu lassen.

Nahrung wird nur als das angesehen, was der physische K√∂rper braucht, um weiterzumachen. Sicherlich brauchen wir als k√∂rperliche Wesen Nahrung. Diese bauen unsere Organe ab und wandeln sie in Energie um. Wir √∂ffnen unsere Augen und brechen unser n√§chtliches Fasten. Wir verlassen unsere Wohnorte und machen uns auf den Weg, um gegen Entgelt niedere Arbeiten zu verrichten, und so weiter… Tag f√ľr Tag. Sicherlich brauche ich nicht auf die Kleinigkeiten und Trivialit√§ten der allt√§glichen T√§tigkeiten einzugehen, die wir erledigen. Aber es ist das Allt√§gliche, das als eine Art Ausgangsbasis f√ľr das dient, was an uns weniger „√ľblich“ ist.¬†

In einem sehr realen Sinn sind wir wie andere in der Natur. Wir werden geboren, wir werden alt und sterben schlie√ülich aus. Was danach geschieht, steht au√üerhalb einer Debatte. Es ist die Art und Weise, in der wir diese Phasen durchlaufen, die genau kennzeichnet, wie wir von der „Norm“ abweichen. Die Natur und die Evolution haben Milliarden von Jahren gebraucht, um so komplizierte Lebewesen wie uns hervorzubringen.

Und mit „wir“ meine ich Vampire.

 

So ein aufgeladenes Wort.. Sicherlich haben unz√§hlige Schriftsteller und Autoren das Thema bis zum √úberdruss behandelt. Seit den Anf√§ngen der Idee und des Mythos wurden gen√ľgend Berichte und Zeugnisse geliefert, um eine ganze Bibliothek oder mehr zu f√ľllen. Monstr√∂se Kreaturen in der Nacht kommen, um den Lebenden die Lebenskraft zu rauben. Wie schrecklich.

Ich f√ľr meinen Teil wei√ü, dass ich nicht zu diesen untoten Abscheulichkeiten geh√∂re. Ich lebe in keinem Gr√∂√üenwahn. Ich bin eine atmende, lebende Person mit den gleichen Bed√ľrfnissen wie andere Lebewesen, mit einer kleinen Abweichung.

Wer mit dem Thema Genetik vertraut ist, wei√ü, dass eine einzige Ver√§nderung in der eigenen DNA zu einer Mutation f√ľhren kann. Genug Ver√§nderungen und es entsteht eine ganz neue Spezies. Ich bin nach meinem besten Wissen kein anderer als der Homo Sapiens Sapiens der Lehrb√ľcher. Ich habe jedoch das Gef√ľhl, dass in mir ein Bed√ľrfnis besteht, das durch Formen der Nahrungsbeschaffung, wie sie bei anderen kohlenstoffbasierten Lebensformen √ľblich ist, nicht erf√ľllt wird. Und dieser gewisse Hunger geht so viel tiefer.

Wenn ich Hunger meine, dann sieht der Lese wom√∂glich eine ausgehungerte, geifernde Bestie, die Kehlen zerfleischt und K√∂rper in St√ľcke rei√üt. Wenn es nur so einfach und dramatisch w√§re. Der Reiz der Vampire im Film liegt in ihrer Leichtigkeit; Die Leichtigkeit einfach der Zivilisation fern zu sein und sich im Schatten zu bewegen; ungesehen und unbelastet von k√∂rperlichen Einschr√§nkungen oder den Zw√§ngen von Zeit und Sterblichkeit.
Ich hingegen bin genauso sterblich wie jeder andere. Mein Hunger zeigt sich in Form eines „Energie“-Mangels. Wenn ich an Energie denke, denke ich an das, was in lebenden Organismen erzeugt wird, sowie an Teilchen, die √ľberall um uns herum im Universum zerplatzen.¬†

Du, ich, wir alle bestehen aus Energie. Unsere K√∂rper geben W√§rme ab, und unsere Zellen brennen und bewegen sich angef√ľllt davon. Es ist also keine Kleinigkeit, die Behauptung aufzustellen, die ich jetzt aufstellen werde. Und das ist die Existenz von Frequenzen, die f√ľr das Auge unsichtbar sind. Auf einer subatomaren Ebene sind sie vielleicht √ľberall um uns herum. Und wir, die wenigen Begabten, sind in der Lage, sie in einer anderen Form anzuzapfen. Ich bin der √úberzeugung, dass unser physischer K√∂rper von solchen Frequenzen und „subtileren“, √§therischen Kr√§ften durchdrungen ist, die mit der Funktionsweise unseres eigenen physischen K√∂rpers zusammenfallen.

 

W√§re ich mir meiner eigenen geistigen Gesundheit nicht so sicher, w√§re ich vermutlich besorgt. Es gibt keine richtige Terminologie, mit der ich das beschreiben kann, was ich √ľber mich selbst wei√ü, ohne in fades New-Age-Geschwafel zu verfallen. Einige Okkultisten und Suchende nach „verborgenen Wahrheiten“ innerhalb unserer Gemeinschaft der „Psi-Vampire“ verwenden gern eine obskure Sprache, die mit religi√∂sen und spirituellen Philosophien √ľbereinstimmt und sich an diese anlehnt. Leider scheint dies die einzige M√∂glichkeit zu sein, die Welt insgesamt und insbesondere unsere Existenz zu erkl√§ren.

Ich werde die nichtk√∂rperlichen Elemente meiner eigenen Natur nicht leugnen und das, was es mir erlaubt, weiterhin ein erf√ľllteres, ges√ľnderes Leben zu f√ľhren. Dies habe ich nach langem Nachdenken und der Lekt√ľre der Werke namhafter Pers√∂nlichkeiten gelernt, die in diesen Fachgebieten t√§tig sind.¬†

Wie bereits erw√§hnt, erhalten wir zwar reichlich gesundheitliche Vorteile, die unser physischer K√∂rper durch den Verzehr von Nahrung ben√∂tigt, aber es gab immer ein zus√§tzliches Bed√ľrfnis, von dem zu nehmen, was in der traditionellen chinesischen Kultur als Lebenskraft oder Qi (śį£) bezeichnet wird und in allen Lebensformen vorhanden ist.

Warum das so ist, dar√ľber wurde eine Hypothese aufgestellt. Einige behaupten, es sei auf ein gewisses Ungleichgewicht in unseren subtilen K√∂rpern zur√ľckzuf√ľhren, den manche als „astral“ oder „√§therisch“ bezeichnen w√ľrden. Vielleicht sogar auf ein Defizit innerhalb der Energiezentren, die von der allgemeinen Bev√∂lkerung als Chakren bezeichnet werden. Inwieweit dies zutrifft, wei√ü ich nicht genau.

Alles, was ich wei√ü, ist, dass ich mich besser f√ľhle, sobald ich mich auf diese Aufnahme von „Energie“ von einem anderen Menschen einlasse. Jahrelang war ich von k√∂rperlichen Beschwerden wie Migr√§ne und Nasenbluten sowie von Knochenbr√ľchen geplagt. Die Interaktion mit Menschen, die behaupteten Vampire zu sein, half mir mit dem Vorgang dessen, was als „Erwachen“ bezeichnet wird, und f√ľhrte letztendlich zu einer Verbesserung meiner Gesundheit.

Ich k√∂nnte sagen, dass dieser Prozess der Entdeckung eines neuen Eissortengeschmacks glich. Ein Geschmack, der weder mit Worten richtig beschrieben noch anderen gezeigt werden kann. Wie kann ich Ihnen beweisen, dass dieser Geschmack existiert, wenn keiner von uns beschreiben kann, wie er schmeckt? Ich hasse wirklich die Fallstricke des „Glaubens“, oder wie auch immer wir es nennen wollen. Und doch ist da etwas. Es f√ľhlte sich f√ľr mich an, als h√§tte ich den Heiligen Gral gefunden, wenn ich mich einer so grandiosen Sprache bedienen darf. Ich verstehe, dass er kein Allheilmittel ist und dass mir nicht pl√∂tzlich vollst√§ndige Immunit√§t vor den √úbeln und Drangsalen,¬†die uns Lebewesen plagen, gew√§hrt wird. Das w√§re ziemlich albern und absurd von mir.

Dank dieser Entdeckung allerdings¬†habe ich einen Weg gefunden, auch jederzeit Zugang zu dieser Form der Energie zu erhalten. Ich verstand auf meine eigene begrenzte Weise, dass da etwas war, das meinem K√∂rper gefehlt hatte. Ich verlie√ü meine so genannten Mentoren, deren Agenden nicht l√§nger passend waren und die sich darauf konzentriert hatten, mich zu entwickeln. F√ľr einen Zeitraum von etwa acht Jahren fand ich einen Weg, diese bewusste Form der Ern√§hrung sozusagen zu blockieren. Diese Zeit, in der ich mich wieder einmal an einem Scheideweg befunden hatte, erwies sich als unglaublich gesundheitssch√§dlich, sowohl k√∂rperlich als auch geistig. Und das auf eine Weise, in der sich wom√∂glich schlummernde neurologische Zust√§nde vollst√§ndig manifestierten und so meine Psyche und meinen K√∂rper vernichteten. Es gab in der Tat eine Kluft, die durch nichts gef√ľllt werden konnte. Keine Beziehungen, Essen oder frivole Aktivit√§ten, die grenzwertig gef√§hrlich waren, schienen mir etwas zu n√ľtzen.

Vielleicht entsprach es meinen Bed√ľrfnissen, aber so wie sich eine ausgehungerte Bestie sogar vom Bodensatz √ľbrig gebliebener Kadavern ¬†√ľberfahrene Tiere ern√§hrte, so nahm ich ohne zu z√∂gern, was mir gegeben wurde.¬†

Jetzt, da ich mich meinem einunddrei√üigsten Lebensjahr n√§here, habe ich ein viel besseres Verst√§ndnis von mir selbst gewonnen. Vorbei an den mythologischen und √ľberromantischen Aspekten des Vampirdaseins und den fehlerhaften Lehren derer, denen ich einst vertraute. Ich verstehe, warum ich tue, was ich tun muss, und ich muss es selektiv tun. Und so wie ich heute Veganer bin, bin ich auch ein ethischer Vampir, der sorgf√§ltig ausw√§hlt, von wem ich das Qi nehme. Denn das, was mein feinstofflicher K√∂rper aufnimmt, st√∂rt den Rest meines physischen K√∂rpers auf eine Weise, die nicht einmal ich vollst√§ndig begreifen kann. Mens sana in corpore sano.

Dar√ľber hinaus bin ich endlich jemandem begegnet, der an meinem Wohlbefinden genauso interessiert ist wie ich selbst. Dank seiner Hilfe bin ich jetzt in der Lage, zu akzeptieren und anzunehmen, wer ich bin.¬†

Vampyrismus ist f√ľr uns alle anders. Einige m√∂gen ihn mit einer spirituellen Entwicklung verbinden, w√§hrend andere ihn als eine Erweiterung ihrer eigenen physiologischen Prozesse betrachten. Vielleicht ist es beides, oder etwas ganz anderes.
Letztlich erleben wir zwei End-lichkeiten: Das unserer Kindheit und das unseres allt√§glichen Lebens, wenn wir uns daf√ľr entscheiden, es so zu bezeichnen. Am Ende kann jeder Einzelne von uns entscheiden, was es wirklich bedeutet, ein Vampyr zu sein.¬†

 

 

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