Sicher hat jeder von uns sich schon einmal gefragt, was nach dem Tod kommt. Immerhin sind es die gro√üen Fragen und unsere Antworten darauf, die unser Handeln im Jetzt entscheidend mitpr√§gen. Wer an ein Leben nach dem Tod glaubt, so wie es zum Beispiel in manchen christlichen Str√∂mungen beschrieben wird, achtet vermutlich st√§rker auf seine Taten und seine moralische Integrit√§t, als jemand, der um keinerlei Folgen f√ľr sein Handeln f√ľrchten muss.¬†Macht uns eine Glaube an ein Fortbestehen auf die ein oder andere Weise also zu besseren Menschen?

Und was ist mit jenen, die an eine Wiedergeburt, so wie sie in buddhistischen und hinduistischen Relgionsstr√∂mungen gelehrt wird, glauben? Nehmen sie in Kauf eine Ehrenrunde als Ratte zu drehen, statt zu einem h√∂heren Sein aufzusteigen? Immerhin h√§tten sie dort noch eine Chance weiter zu existieren und es f√ľrs n√§chste Mal besser zu machen.

 

 

Unser Leben ist ein Versuch zur Unsterblichkeit.“ –¬†Karl Ferdinand Gutzkow, deutscher Dichter und Journalist (1811 – 1878)

Das Konzept der Unsterblichkeit – Heute und fr√ľher

Nun gut, DAS eine Konzept gab und gibt es sicher nicht. Der Wunsch nach Unsterblichkeit d√ľrfte so alt sein wie die Menschheit. Tradierte Sagen und M√§rchen, Religionen aus allen Kontinenten, Wiedergeburt und Auferstehung – √ľberall liest und h√∂rt man von allerhand „mystischen“ Wesen (oder Menschen) und ihrer Unf√§higkeit zu sterben. F√ľr gew√∂hnlich sind sie mit weiteren spannenden Talenten ausgestattet und so ist es kein Wunder, dass das Konzept ein stetiges Revival erf√§hrt – auch heute und angepasst an unsere jetzt gelebte Wirklichkeit und dem, was wom√∂glich in naher oder auch fernerer Zukunft Realit√§t werden k√∂nnte.

Doch man kann sich f√ľr sich selbst sehr wohl eine Vorstellung davon machen, was Unsterblichkeit bedeuten k√∂nnte. Ewiges Leben.

Nicht zu verwechseln mit dem Konzept der Wiedergeburt. Hierbei vergeht der menschliche K√∂rper sehr wohl, doch ein Anteil des zuvor Lebendigen bleibt wom√∂glich erhalten – in Form von Information oder einer Seele. Auch hier ergeben sich viele m√∂gliche Vorstellungen. Findet eine R√ľckreise zur Seelenfamilie, zu der man geh√∂rt, statt? Wird die Selle dabei in kleinere Teile aufgeteilt? Oder bleibt sie als Ganzes bestehen und kehrt direkt in einen neuen sterblichen Organismus zur√ľck? K√∂rper und Seele – Kann das eine nicht ohne das andere existieren?¬†

Allen Ideen und Vorstellungen ist ein inniger Wunsch, der nicht zu vergehen, gemein. Es scheint, dass viele Menschen sich danach sehnen ihre Existenz auszuweiten. Der Gedanke eines Tages nicht mehr zu sein, ist schwer vorstellbar. Wir f√ľhlen und denken immerzu. Wie kann es da sein, dass es endet?

Trennt der Wunsch nach Unsterblichkeit die Menschen in jene Gruppe auf, die sich keine Nicht-Existenz vorstellen können und jene, die an ein Weiterleben glauben?

Kann man den Tod heilen? Und Falls ja, will man das? Unsterblichkeit durch medizin

Seit dem 18. Jahrhundert haben wir unsere Lebensspanne (v.a. dank Hygiene und Medizin) im Mittel mehr als verdoppelt. Krankheiten und Tod werden immer weiter aufgeschoben, doch „besiegt“ haben wir sie noch lange nicht.¬†

Was haben Techunternehmen aus dem Silicon Valley, die CrisprCas9 Entdecker und Biohacker gemeinsam? Genau. Die Vorstellung den menschlichen Körper zu stählen, zu reparieren oder sogar unsterblich machen zu wollen. Die Faszination am Thema Unsterblichkeit (insbesondere der ewigen Gesundheit, aber auch die Extension menschlicher Fähigkeiten) treibt sie an. (Niemals unsterblich, aber ewig jung РEin Zeit-Artikel) 

In den letzten Jahrzehnten wurden u.a. auf technologischer, medizinischer und biochemischer Ebene enorme Fortschritte erzielt, die zu Meilensteinen in Medizin und Forschung f√ľhrten. Unterst√ľtzt durch die mittlerweile enorm leistungsf√§higen Rechner und Programme, allen voran den Errungenschaften der K√ľnstlicher Intelligenz, sind wir heute in der Lage Medikamente virtuell statt am Menschen zu testen oder auch das Genom (und seit Kurzem auch das Proteom) eines Menschen in wenigen Stunden aufzudr√∂seln (wobei das Verst√§ndnis von Genom und Epigenom noch lange nicht dem Lesen eines Buches entspricht). Der n√§chste langfristige und w√ľnschenswerte Schritt w√§re eine personalisierte Medizin statt die massenhafte Ausgabe von Allroundmedis, insbesondere Antibiotika.¬†

In j√§hrlich vielen tausend erscheinenden Papern¬†zu Themen wie der Verwendung von CrisprCas9, dem Bau von Quantencomputern und der Entschl√ľsselung biochemischer Prozesse verschmelzen zuvor voneinander getrennte Wissenschaftsdisziplinen ¬†zu einem immer st√§rker konvergierenden L√∂sungsfindungskonstrukt mit dem Ziel den Menschen immer ges√ľnder alt werden zu lassen. Und was soll ich sagen – das klingt schon schwer nach dem Traum von Unsterblichkeit auf ganz rationaler und wortw√∂rtlicher Ebene. (Und hierbei geht es nur um die rein k√∂rperliche Unsterblichkeit. Ein Mind-Upload wird hier noch gar nicht diskutiert.)

Doch, wie so oft, wird gehandelt ehe Fragen zur Ethik oder einer Folgenabsch√§tzung gekl√§rt sind. Der Mensch, der den Tod als Erstes zu besiegen vermag, w√§re Pionier und Laborratte zugleich. Fragen nach dem Gl√ľck, das ein Mensch mit unendlicher Lebensspanne haben k√∂nnte, m√ľssten beantwortet werden.

  • Findet er immer wieder Aufgaben, mit denen er seiner Existenz einen Sinn geben kann? Oder verl√∂re das Leben selbigen durch die Aufhebung eines Endes?
  • Und wenn nun dieser Mensch Aufgaben f√§nde und Wissen anh√§ufte, w√ľrde er an k√∂rperliche Grenzen sto√üen? H√§tte sein Gehirn die Kapazit√§t alles Gelernte zu behalten?
  • W√ľrde er depressiv werden? Oder w√ľrde er gar – aufgrund einer wom√∂glich vorhandenen Seele – irgendwann zu einer lebenden H√ľlle werden, die eben jene Seele in dem Moment verliert, in dem sein Leben h√§tte enden sollen?

Und wie sieht es nun aus, wenn viele folgen?

  • K√§me es zu einer √úberbev√∂lkerung? Oder m√ľsste man nicht viel eher f√ľr einen begrenzten Zugang sorgen? Doch wer darf dann unsterblich werden und wer nicht?
  • D√ľrften sich alle fortpflanzen? Oder bed√ľrfe es nicht auch hier strengen Reglementierungen?

Schnell wird es unglaublich komplex. Viele Deutungsans√§tze, die ern√ľchternderweise keine realen (damit meine ich mit naturwissenschaftlichen Methoden verifizierbare) Antworten bereithalten – bis es einmal soweit ist.

Vampyirsmus, Spiritualität und Unsterblichkeit

Die Vorstellung von Unsterblichkeit hatte vermutlich von jeher die Kraft dem Menschen die Angst vor dem Tod zu nehmen oder diese zumindest zu mildern. Ganze Religionen sind um diesen Gedanken gewachsen. Wenn der Tod nicht das Ende darstellt, dann gibt es eine Hoffnung, sei es die auf ein Himmelreich nach dem Leben oder die auf Wiedergeburt und somit schlicht auf eine Fortexistenz in der ein oder anderen Form. Was hat das nun mit Vampirismus zu tun?

Vampire sind heute als Sinnbild f√ľr Unsterblichkeit (und einige andere spannende Eigenschaften) in der Popkultur zu finden. Aus der Tradition gewachsen – die urspr√ľnglich von einem untoten Wesen sprach, das des tags die Lebensenergie aus den noch Lebenden aussaugte. Sie wurden als u.a. Wiederg√§nger bezeichnet, die (wom√∂glich auf der Suche nach Antworten auf Fragen, die ich in genau diesem Beitrag angerissen habe..) ruhelos in ihren Gr√§bern lagen, unf√§hig dem Tod ins Auge zu blicken – gewollt oder ungewollt. Sie waren dabei Getriebene, nicht rational Handelnde. Sie verfuhren auf ungeplante, chaotische Weise, was zus√§tzlich zu ihrem erschreckenden Wesen beitrug. Sie vereinten in sich alles das, wovor die Menschen Angst hatten. Und erst durch Rituale (in denen u.a. der Kopf abgetrennt wurde) fanden sie schlie√ülich ein Ende.

Faszinierend, wie die Lebenden sich das ewige Leben w√ľnschen, dann aber vor dem vermeintlichen Ergebnis zur√ľckschrecken. An dieser Stelle k√∂nnte man ein Buch √ľber die Motivation dazu schreiben, genauso wie √ľber das ganze Thema selbst. (Eine Lebensaufgabe, wie mir scheint. :D)

Der heutige Pop-Vampir hingegen ist sch√∂n, gef√§hrlich und charmant. Er verf√ľgt √ľber besondere Kr√§fte, F√§higkeiten und – Unsterblichkeit. Doch auch er ist stets von seinem Durst nach dem, was ihm nicht mehr angedeiht – der Lebensenergie – getrieben. Auch er muss sich nehmen, was ihm mit seinem eigentlichen Tod verloren ging, ohne Aussicht auf wahre Linderung. Wer sich mit diesen auf das Wesen Vampir projizierten Eigenschaften auseinandersetzt, findet ganz schnell f√ľr sich selbst Antworten auf die gro√üen Fragen. Mir scheint allerdings, dass ein realer Vampyr hier noch am ehesten nachvollziehen kann, was Hunger bedeutet.

  • Unsterblichkeit, wenn man sch√∂n, stark und immer gesund ist? Ja klar!
  • Aber was ist mit dem Hunger und was mit der Unart der Geliebten zu sterben, wenn man sie nicht ebenfalls zu einem Vampir macht? Unsch√∂n.
  • Und was ist mit diesem gottervdammten Hunger? Der Langeweile? Dem m√∂glichen moralischen Zerfall, wenn man √ľber allem steht? Wessen Regeln gelten dann noch?¬†
  • Was ist mit Liebe? Was mit dem eigenen Frieden?

Realvampyrismus und Unsterblichkeit

Der tradierte Vampir¬†geh√∂rt zu den bekanntesten Fabelwesen, das nicht eines nat√ľrlichen Todes sterben kann. Im Blog geht es grunds√§tzlich um VampYre, also Menschen, die sich √ľber gewisse vampyrische Verhaltensweisen identifizieren. Unsterblichkeit ist jedoch ganz sicher kein Kriterium, nach dem unsereins als Realvampyr gilt.¬†

Dass hier der Terminus des „Vampyrismus“ f√ľr eine bestimmte Lebensweise gew√§hlt wurde, h√§ngt sicherlich v.a. von den Praktiken des selbigen ab: Energie ziehen, Blut trinken. Die Verbindung ist klar.¬†Doch schwingt auch ein Wunsch nach Unsterblichkeit drin mit? Ist er in einigen Str√∂mungen nicht sogar der namensgebenden Faktor?

Wer sich auf dem Blog bewegt, wird festgestellt haben, dass Unsterblichkeit kein Konzept ist, an dem wir eine Zugeh√∂rigkeit zur Gruppe der Realvampyre festmachen. F√ľr gew√∂hnlich spricht man von einer soziokulturellen Bewegung, die sich wiederum in weitere Untergruppen/Denkschulen aufteilt.

Darunter jene, die Vampyrismus als reine Verhaltens-„auff√§lligkeit“ betrachten („Naja, da ist eben das Verlangen Blut zu trinken.“ oder auch „Ich f√ľhle mich immer m√ľde, Energie-/Blutaufnahme helfen mir.“). Sei es aus biografisch gewachsenen Gr√ľnden oder¬†aber auch aus ganz real zu diagnostizierenden angeborenen oder erworbenen psychischen oder physischen Erkrankungen, wie der vielgesichtigen Poryphorie.

Andere betrachten Energien in ihren mannigfaltigen Spielarten (als Aurafelder, √Ąther u.v.m.) als gegeben und schlussfolgern f√ľr sich auf eine Dimension hinter der uns wahrnehmbaren, die dabei aber sehr wohl Auswirkungen auf uns hat. So w√ľrde ein energetisch arbeitender Vampyr vielleicht von einem Austausch an Energien sprechen (selten vielleicht auch von einem Defizit, das es auszugleichen gilt). Weitere Ausf√ľhrungen w√ľrden schlie√ülich zu einem Weltmodell mit unsterblichen seelischen/energetischen Anteilen f√ľhren, in dem das Konzept der Unsterblichkeit einen festen Platz inne h√§tte.

Eine weitere Gruppe hingegen betrachtet sich selbst sehr wohl in Folge des eigenen Vampyirsmus als unsterblich. Hier gibt es verschiedene Strömungen, in denen Traumarbeit (Wachträume) ebenso eine Rolle spielen können wie Meditation, magische Handlungen oder die Anrufung entsprechender Wesenheiten. Ziel dabei ist es oft der eigenen Seele eine vom Körper losgelöste Fortexistenz zu ermöglichen. Bei dieser Form spirituellen Realvampyirsmus finden verschiedenste Aspekte eingang in eine gelebte vampyirische Kultur. Vielleicht wird Blut getrunken, vielleicht nur magisch gearbeitet, letztlich aber steht die Annahme eines vampyrischen Seelenanteils im Vordergrund, den es auf die Unsterblichkeit vorzubereiten gilt. 

 

fazit

Aus welchem Blickwinkel man die Sache auch betrachtet, es häufen sich in erster Linie fragen auf. Nach dem Warum, dem Wie und dem Wohin.

Unsterblichkeit ist ein spannendes philosophisches Thema, das viele andere natur- wie sozialwissenschafltiche Bereiche streift. Doch eines kann ich hier sicher sagen – der gemeine Realvampyr definiert sich nicht als unsterblich. Er ist ein Mensch mit etwas anderen Bed√ľrfnissen, doch sicher kein Wesen, das andere verwandelt, um mit ihm die Ewigkeit zu √ľberdauern.

Wir leben hier und jetzt – machen wir das Beste daraus.

 

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