Vampyrisches Erwachen meint ein Konzept innerhalb der realvampyrischen Community, das man am besten als „sich-gewahr-werden“ beschreiben kann. Vampyre werden folglich nicht gemacht, sondern als solche geboren. Zumindest verf├╝gen sie ├╝ber eine entsprechende emotionale und verhaltenstypische Veranlagung, wobei hier nicht von einer neuen Spezies die Rede ist. Viel eher meint es ein bestimmtes Mindset, besondere Erfahrungen, die gemacht wurden und eben die oftmals nicht weiter erkl├Ąrbare Lust auf Blut oder ein Drang nach Energieaufnahme. Diese Faktoren f├╝hren schlie├člich f├╝r gew├Âhnlich dazu, dass man sich dem Thema Vampyrismus ann├Ąhert.

Der erste Schritt – Bewusstsein

Aus welchem Grund auch immer du hier gelandet bist, hier findest du nicht weniger als Gleichgesinnte und hilfreiche Infos. Im besten Falle erkennst du dich danach selbst ein wenig besser.

Few can see wither their road will lead them, till they come to it’s end. -Gimli, Der Herr der Ringe

Vom Vampirroman zum Vampyr

Die ersten Ber├╝hrungspunkte mit dem Thema „Vampir“ sind f├╝r viele von uns sicher die zahlreichen popkulturellen Angebote, die sowohl der tradierte als auch der neu interpretierte Vampir ┬ásein Zuhause nennt. Seien es Edward, Dracula oder die Salvatore Br├╝der, die dich aufhorchen lie├čen, letztlich hast du bemerkt, dass es mehr damit auf sich hat als reine Unterhaltung. Hat dein Herz schneller geschlagen, als ┬áEdward von seinem Kampf mit sich selbst gesprochen hat? Oder war der Biss eines Damon Salvatore ein Ausl├Âser f├╝r Hungerattacken?

Ganz abgesehen von dem den Figuren anhaftenden Sexappeal, musst du bemerkt haben, dass dein Kiefer zieht, dein Kopf brummt oder dein Blut lauter in deinen Adern rauscht.. dass es sich anders anf├╝hlt, wenn du den Fernseher ausschaltest. Dass du dich anders f├╝hlst.

Es ist mehr als eine Schw├Ąrmerei f├╝r einen Charakter. Etwas zieht dich daran an, etwas, dass irgendwann weit ├╝ber einen Tagtraum hinausgeht. Aber wann kam es dazu? Und warum jetzt?

Und so f├Ąngst du an zu suchen.

Irgendwann bemerken Betroffene dann Verhaltens├Ąnderungen an sich. Markante Anzeichen sind oftmals ein ver├Ąndertes Verh├Ąltnis zu Blut oder auch ein neues Bewusstsein f├╝r Energien (insbesondere Energieverluste). Diese ├Ąu├čern sich dann entsprechend in Tagtr├Ąumen oder besonderer emotionaler Betroffenheit, wann immer es zum Thema kommt.

Ein Student, der sich am Papier schneidet und blutet erregt pl├Âtzlich unsere Aufmerksamkeit. Blut bekommt eine neue Bedeutung zugeordnet. Warum finde ich das Tatsache, dass der andere sich geschnitten hat auf einmal so faszinierend oder sogar in einer Form erregend? Und warum zum Teufel starre ich darauf, statt dem armen Kerl ein Taschentuch zu reichen?!

Zuvor als allt├Ąglich empfundene Situationen werden bewusster – warum f├╝hlen wir uns so schlecht, nachdem die beste Freundin uns ihr Leid geklagt hat? Klar, wir leiden mit und wollen helfen.. aber wieso zerrt das so an uns? Es laugt uns aus. Was steckt dahinter?

Wer sich dann dazu entschlie├čt diesen Fragen wahrhaftig nachzugehen hat bereits den ersten Schritt auf einem Weg getan, der viele weitere Fragen bereith├Ąlt, spannende Bekanntschaften verhei├čt und wom├Âglich einen Blick in die eigene Seele offenbart. Und vielleicht findet sich dann der ein oder andere in einem Vampyrblog oder Esoterikforum wieder oder aber er schl├Ągt einen ganz eigenen Weg ein. Diese Wege kreuzen sich oftmals und so kann der ein und selbe sich letztendlich sowohl im Realvampyrismus als auch im Okkulten oder Spirituellen zuhause f├╝hlen. Wieder andere n├Ąhern sich dem Thema rein wissenschaftlich. Da ist ein Durst und es muss eine Erkl├Ąrung daf├╝r geben.

Wer einen┬áBlutdurst an sich bemerkt wird wohl konkreter suchen k├Ânnen, als jener, der energetisch wirken kann. Gerade der Energievampyrismus erscheint mir mit den mannigfaltigen (und zT esoterisch aufgeladenen) Konzepten von Chi, Chakra, Geist, Seele etc schwer zu definieren – zumindest als Beginner. Wer ahnt schon, dass er selbst energievampyrischer Natur ist, wenn viel Rede von Balance ist. Wer ahnt, dass er Balance herstellen kann, indem er einem anderen dabei hilft seine Energie loszuwerden? ┬á

Da hilft nur noch sich mit seiner Vergangenheit auseinanderzusetzen. Welche Anzeichen gab es schon immer? Wo ist der blinde Fleck, der uns daran hindert die Dinge in einem neuen Licht zu betrachten?

Und so beginnt oftmals eine Reise, die uns mal eine neue Abzweigung pr├Ąsentiert, mal zur├╝ck auf einen alten Weg f├╝hrt. Manch einer dreht sich im Kreis bis er akzeptiert, andere preschen voran. Informationen werden gesammelt, das Internet durchforstet, die eigene emotionale Welt ergr├╝ndet. Ein neues Bewusstsein manifestiert sich.

Der zweite Schritt – Retrospektive

Mit diesem neuen Bewusstsein und dem ersten frischen Wissen geht es dann daran sich zu erinnern. Den meisten wird recht schnell klar, das das ein oder andere Erlebnis pl├Âtzlich einen vermeintlichen Sinn bekommt, wenn man es von dieser ganz neuen Seite aus betrachtet.

Als sich der beste Freund im Kindergarten das Knie aufschlug und man nicht nur pustete, sondern es auch ber├╝hrte und daran leckte. Eine versch├╝ttete Erinnerung. Eine unsinnige noch dazu – bis einem klar wird, dass das wirklich, wirklich schr├Ąg ist. Eine Erkl├Ąrung daf├╝r war nicht n├Âtig, da sie als Kindheitserinnerung nicht viel z├Ąhlte. Kinder stecken sich alles in den Mund! Man wollte nur helfen! …

So viele wesentlich plausiblere Motive, die einem ein weiteres Hinterfragen abnahmen. Wozu sollte es gut sein jedes Erlebnis im Kontext mit Blut (oder auch jene mit energetisch wirksamen Anteilen) wieder hervorzuholen? Es ist eben so passiert, lass gut sein.

Doch jetzt treten genau diese Erinnerungen deutlich zutage, scharf umrissen, angereichert mit Emotionen und Details. An dem Tag im Kindergarten hatte man diese blaue Lieblingshose an und es gab Apfelmus zum Nachtisch. Ja, und dann war man drau├čen spielen und der Freund fiel. Er schrie nicht, aber es blutete..man pustete..man ber├╝hrte..man wollte schmecken.┬á

Und sp├Ątestens dann wird einem hei├č und kalt. Eine Erkenntnis bricht sich Bahn.

Es war so viel mehr…

Und wie eine Kette von Ereignissen, die scheinbar unzusammenh├Ąngend stattfanden, f├╝gt sich alles in ein gr├Â├čeres Bild. Mit mehr Abstand und neuem Wissen vergr├Â├čert sich der Abschnitt, auf den man blicken kann. Man erahnt die R├Ąnder des Puzzles und ein Teilchen f├╝gt sich ins n├Ąchste.

Was also waren deine Erlebnisse? Nur Zufall? Waren es gewollte Aktionen?  War es nicht mehr als das? Was war dein erstes Erlebnis und welches das zweite? Denk nach. Erinner dich.

Der dritte Schritt – Beobachtung der eigenen Bed├╝rfnisse┬á

Jetzt hei├čt es beobachten. Schule deinen Blick f├╝r die Details. Wie ├Ąu├čert sich dein Bed├╝rfnis? Ist es wirklich Blut, das dich lockt oder erscheint die damit einhergehende Intimit├Ąt zu einem Spender verlockender? Ist es die ├╝bersch├Ąumende Energie eines Freundes, die dich ┬áfesselt und m├Âchtest du diese aufnehmen, damit spielen oder sie nur wahrnehmen? Wie ist es mit Sex? Mit gutem Essen? Mit allem, das auf die ein oder andere Weise Befriedigung verschafft? Sind sie das Sprungbrett, von dem aus du ins Wasser eintauchst oder sind sie das Wasser, in dem du schwimmen willst?┬á

Setze dich Situationen aus, in denen du deine Emotionen explorieren kannst (bitte keinen aufschlitzen :D). Sp├╝r in dich hinein und erahne, was dahinterliegt. Diese neue dunkelbunte Welt, die ihre ganz eigenen, aber kaum in Worte zu fassenden Reize aussendet steht dir jederzeit offen. Es braucht nur einen Schubs (und hilfreicherweise das passende Mindset).

Und dann frag dich, welche Konsequenzen deine Bed├╝rfnisse f├╝r dich und evtl. deine Umwelt bedeuten. Bed├╝rfnisse m├Âchten gerne gestillt werden. Erlaubst du dir diese, musst du sie wie ein Geschenk behandeln, f├╝r das du Verantwortung ├╝bernehmen solltest.

Vielleicht hilft es dir aktiv zu werden. Sammele weiter Infos, aber geh auch raus und sprich mit jemandem dar├╝ber (nat├╝rlich gerne auch online). Im Zwiegespr├Ąch f├Ąllt es einem oft einfacher Dinge neu zu ordnen und zu bewerten. Vertrau dich jemandem an, dem du vollkommen vertraust oder sprich mit jemandem dr├╝ber, der das selbst bereits durchgestanden hat. Hol dir neue Schubser und neue Ideen.

Einordnung ins eigene Weltbild

Das wichtigste mentale Werkzeug, das du auf dieser neuen Reise sicherlich brauchen wirst ist Geduld, dicht gefolgt von Akzeptanz. Vielleicht brauchst du das auch nicht, wom├Âglich bist du entspannt mit spirituellen Themen? Vielleicht stehst du einem Glauben nahe?┬á

Aber vielleicht bist du auch nicht gl├Ąubig. Vielleicht passt all das nicht in dein Lebens- und Erlebniskonzept. Die Wucht, mit der es einen zu erschlagen droht, rei├čt dich von den F├╝├čen und bringt dein Weltbild zum Wanken. Vielleicht bist du nicht bereit. Viele brauchen einen ersten, zweiten und dritten Anlauf, um schlie├člich den Mut oder die Muse zu haben sich wirklich mit sich und diesen Bed├╝rfnissen zu befassen.┬á

Lass dir gesagt sein, auch andere haben ├Ąhnliche Situationen erlebt und vampyrische Z├╝ge an sich festgestellt. Auch andere haben im Zuge dessen Zweifel durchstanden, regelrechte Bed├╝rfnisattacken ├╝berstanden und an ihrer psychischen Gesundheit gezweifelt. Aber letztlich haben sie einen Weg gefunden, ihren Weg. Und dieser ist f├╝r gew├Âhnlich mit wunderbaren neuen Freundschaften, einer tiefen Einsicht und Ausgeglichenheit gepflastert. Hier und da ein Schlagloch. Aber zumeist mit einem Happy End.

 

Weiterf├╝hrende Links

├ťber diese Happy Ends kannst du hier lesen: Sammlung Erwachensgeschichten

Deine Suche nach Infos erleichtere ich dir übrigens auch gerne mit meiner Linksammlung.

Was es mit den Schreibweisen „Vampir“ und „Vampyr“ auf sich hat, erf├Ąhrst du ├╝brigens im┬áStartbeitrag

Weiterhin gibt es hier einen ganz netten Beitrag vom Vice Magazin, das ja nun f├╝r seine etwas abgefahreneren Themen bekannt ist:

Echte Vampire (2016, Vice)

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