Shift

Mein Atem geht langsamer und tiefer. Meine Haltung hat sich verĂ€ndert. Ich recke das Kinn vor, als wollte ich eine FĂ€hrte aufnehmen. Meine Muskulatur fĂŒhlt sich geschmeidig an, ich spĂŒre die ihr innewohnende StĂ€rke. Ich bin zugleich entspannt und fokussiert.

Mein Blick verliert an SchĂ€rfe, ich nehme dafĂŒr mein Ă€ußeres Sichtfeld wahr, die feinen HĂ€rchen auf meinen Wangen stellen sich auf, erspĂŒren jeden Windhauch.

Mir lÀuft das Wasser im Munde zusammen
 ich sehe Blut.

So oder so Àhnlich lÀsst sich diese besondere Art der WahrnehmungsÀnderung im Bezug auf Blut beschreiben.

Diese „Shifts“ sind in der Szene bekannt, finden aber nicht bei jedem Widerhall. Nicht alle fĂŒhlen sich von einer „Mahlzeit“ derart instinktiv angesprochen. Es gibt sogar eine ganze Gruppierung, die sich an diesen eher animalischen Ansatz des Realyvampyrismus anlehnt.

Zum Schutze dieser nenne ich hier keinen Namen.

Instinkttheorie

Eine von vielen Theorien hierzu findet sich in dem den Menschen angeborenen Jagdinstinkt. Auch wenn dieser vielen nicht mehr als solcher bekannt ist/erlebt wird/wurde, kann man die evolutionĂ€re Komponente nicht genug ĂŒberschĂ€tzen. Aggression und Gewaltbereitschaft waren einmal fĂŒr die Jagd Ă€ußerst nĂŒtzliche Verhaltensweisen, die dann aber auch in selbiger ausagiert werden konnten. Heute.. – nunja, gehen jene mit einem Überschuss daran KampfkĂŒnsten nach oder mutieren wochenends zum Hoooligan. Den Menschen als vernunftbegabt zu betiteln ist nur rechtens, wenn dabei beachtet wird, dass er sich dabei nur auf einer Skala zwischen instinktiv-handelnd (unbewusst also) und vernunftorientiert ansiedeln lĂ€sst. Besondere Beachtung kommt hier auch dem Vetorecht des eigenen Bewusstseins zu. Vor einer Entscheidung zur Handlung (die nach neueren Erkenntnissen der Hirnforschung unbewusst getroffen wurde und dann ins Bewusstsein ĂŒberstellt wird, hat jedoch ein letzter Teil des Hirns das Recht zum Veto. Wer hat sich noch nicht dabei erwischt nach der letzten Tafel Schoko greifen zu wollen, um die Hand dann noch vor Erreichen des Leckerbissen in der Bewegung anzuhalten?

Umgang mit einem Shift – Moral als Schutzschild

Solche Shifts werden nicht immer getriggert und nicht immer zugelassen. Was meine ich damit? Der Anblick von Blut kann, muss aber keine solche Reaktion seitens des Vampyrs zur Folge haben. Ist dieser saturiert oder einfach entspannt, wird er dem Shift vielleicht auf rein freiwilliger Basis nachgehen, nicht aber zwangslĂ€ufig. FĂŒr gewöhnlich wird dieser als angenehm empfunden, er ist ein Erlebnis.

Manch einer kann davon aber auch ĂŒberrumpelt werden und meidet Trigger daraufhin gĂ€nzlich. Zur Klarstellung: Bei einem Shift handelt es sich alleine um eine Verschiebung der Wahrnehmung. Es ist keine Rede von einer aktiven Handlung, um diesen Zustand zu beenden – diese folgt danach oder eben auch nicht.

Stellen sich diese Shifts jedoch getriggert ein, können sie ĂŒberwĂ€ltigender Natur sein. Dann heißt es Ruhe bewahren oder zumindest zurĂŒckgewinnen.

Ein sicheres Ausagieren ist unter gewissen Rahmenbedingungen möglich – ein eingeweihter Donor, Sicherheitsvorkehrungen, ein safe space
 was nunmal nötig ist.

Das Ziel darf hierbei nie sein den Jagdinstinkt auch in einer tatsĂ€chlichen Jagd, also dem Greifen und/oder Verletzen eines anderen auszuagieren. Es gibt Regeln, eine Moral und diese kann sicher nicht einfach â€žĂŒberschrieben“ werden, auch wenn dieser Zustand teils aufreibender Natur sein kann. Und hier setzt unsere eigene Moral ihr Vetorecht ein, auch wenn es in diesen Momentan energetischen Aufwand bedeutet – der Zustand ist verlockend, das Ausagieren des selbigen hĂ€tte aber womöglich ungewollte Konsequenzen. Die Spannung zwischen diesen beiden Polen wird ausgehalten oder befriedet.

Selbstkontrolle und Grenzen

Es handelt sich um einen dunklen Teil eines selbst, eine Schattenseite, die verlockend wirkt, aber eben nur unter Kontrolle zu Befriedigung fĂŒhren sollte.

Kein Vamp möchte sich hinterher mit seinem Gewissen auseinandersetzen mĂŒssen, weil er vielleicht einen liebgewonnen Menschen ĂŒber seine Grenzen hinaus belastet hat. Und schon gar nicht möchte man sich rechtlich angreifbar machen, weil man jemandem in nicht abgesprochener Weise geschadet hat (Rechtlich bewegt man sich als sanguin Praktizierendes immer in einer Grauzone!).

Sollte man aber die Chance zu einem kontrollierten Ausleben bekommen, so kann eben diese Kontrolle zu einem stÀrkenden Element werden, im Sinne einer FÀhigkeit, die einen erbaut und das eigene Empfinden um eine mesmerisierende Komponente bereichert.

Wer in der Lage ist sein Verhalten im Rahmen der eigenen Moral und in Absprache mit anderen Teilnehmern auszuagieren, wird darĂŒber hinaus seine eigenen Grenzen erkennen. Diese Erkenntnis bietet die Möglichkeit sich selbst bewusster wahrnehmen zu können. Grenzen mĂŒssen keine beengende Wirkung haben, sondern können auch dazu verhelfen den eigenen Platz in der Welt zu erkennen. Sie können einen einbinden und damit Sicherheit geben.

Der Shift als Bindeglied zwischen Unbewusstem und Bewusstem

Ein Shift gibt einem eine wunderbare Möglichkeit das allzeit aktiv bewusst handelnde und von der Vernunft geleitete Verhalten einmal ein wenig zu lockern. Man kann der Empfindung nachspĂŒren, ihr Raum geben, Scham ablegen, auf Traumreise gehen, eigene Fantasien erkunden. FĂŒr eine Revision ist auch danach noch Zeit.

(Ich rede hier nicht davon sich gehen zu lasse und Grenzen zu ĂŒbertreten!) MeditationsĂŒbungen in diesem Zustand können sicher zu einem ganzheitlicheren Bild des eigenen Selbst fĂŒhren. Ein Shift vermag einem womöglich die eigenen Schattenseiten aufzuzeigen, diese zu betrachten, sich damit anzufreunden und letztlich zu integrieren.

Diejenigen, die sich in besonderer Weise mit Schamansimus befassen oder sich selbst als Otherkin o.A. bezeichnen, können hier ihrem eigenen Tierwesen oder ihrem Begleiter begegnen.

 

Diese Artikel ist nur ein erster Einblick in den Themenkomplex „Tier im Vampyr“. Das Thema wird von mir noch exploriert und ich freue mich jeden Tag ĂŒber neue Erkenntnisse. Dieser Blog soll helfen sich wiederzuerkennen, zu wissen, dass man nicht alleine ist und fĂŒhlt. Wer sich dazu berufen fĂŒhlt sogar einen eigenen kleinen Blogbeitrag hier einzufĂŒgen, möge sich bei mir melden. 😉

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